Meinhardt Krauss Feigl

Intimitäten

Eine Frau, dem 16. Jahrhundert entstiegen, schwebt dem Wippen Ihres Reifrocks hinterher über die Bühne, als ruheloser Geist durch Raum und Zeit begibt sie sich auf die Suche nach ihrem wahren Ich. Mit einer Mikrokamera fährt sie tastend über ihren Körper, untersucht, erforscht und fragmentiert ihn, gibt Intimes preis. Die Kamera wird zum Auge, das Einblick in das innere Erleben der Protagonistin gibt, ihre Gedanken werden bildhaft, virtuelle Räume entstehen. Innen und Außen kehren sich um, plötzlich befindet sich die Spielerin in ihrem eigenen Rachen, unter Ihrem Rock oder kriecht in ihr Ohr. Der Körper selbst wird zur Projektionsfläche auf der ein überdimensional sprechender Mund zu sehen ist, auf den Reifrock werden die eigenen Beine der Frau projiziert und tragen sie in einem eigenartigen Tanz über die Bühne, scheinen sie in die Luft zu heben oder ihr davonzulaufen. Körper und projizierte Körperfragmente verbinden sich zu neuen Wesen und seltsamen Kreaturen, das Bekannte tausendmal Gesehene, wird plötzlich fremd und unheimlich.

Immer wieder kreist sie um die ewig junge Frage: Was ist der Mensch? Poetisch-philosophische Gedanken dazu hat die Suchende über die Jahrhunderte in ein dickes vergilbtes Buch geschrieben, das als einziger Gegenstand mitten auf der Bühne liegt. Aus ihm steigen in stetem Wechsel Erlebtes und Versäumtes, Sehnsüchte und Traumata auf. Märchen, Tanz, Musik, eingespielte Filmsequenzen und Live-Aufnahmen verbinden sich zu einem Spiel, in dem sich Schein und Sein überlagern, ergänzen und miteinander verschmelzen. Was ist wirklich wirklich?

Spiel|Idee|Video_Iris Meinhardt
Regie|Video_Michael Krauss
Musik|Komposition_Thorsten Meinhardt
Dramaturgie_Anni Boden

Premiere_FITZ! Stuttgart 2005

Ktitik-Südkurier

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